Zur Kapelle [Part 4]

Ich tauchte aus den Schatten wieder auf. Mein Weg führte mich geradewegs zum Ziel. Eine alte, verwitterte Kirche in Mitten eines verlassenen Städtchens. Ob es überhaupt in irgendeiner Karte verzeichnet war, war fragwürdig. Ob es überhaupt jemand kannte, ebenso. Denn für die Menschen war es nur ein Ort. Eine Stadt, die jegliches Leben verloren hatte. Das verfallende Mauerwerk, einzig verschönert durch rankendes, grünes Efeu, das sich einsam seinen Weg von der Erde in den scheinbaren Himmel suchte.
Ansonsten noch Unkraut auf den verlassenen Gräbern um die Kirche. Obwohl so betrachtet der Begriff Kirche wahrscheinlich falsch war. Denn in diesem Zusammenhang war es eher eine Kapelle. Ihr entschuldigt meine leichte Verwirrung. Ich hatte etliche Jahre geshlafen, in der Tiefe meines Grabes geruht und es dauert immer etwas, bis das Feuer der Lebenden auch mich ansteckt.

Info: Das ist Part 4 der Story. Mehr Informationen: About)

Langsam kehren die Erinnerungen zurück und das Innere ordnet sich neu. Wenn wir Vampire uns zur ruhe legen, so machen wir dies für Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte. Unsere innere Macht stellt sich darauf ein, ohne Blut aus zu kommen. Eine Art von Tod stellt sich dann ein. Wir legen uns ganz bewusst in die Decke des Todes und dieser umfängt uns, nimmt uns gefangen, aber lässt uns auch wieder frei, wenn wir dies wünschen. Da ich nur so kurz geruht hatte, ein paar Jahre, war das Erwachen ungleich schwieriger. Und so bin ich noch verwirrt. Wie ein Schlaftrunkener nach der Erlösung der Nacht und dankbarer Träume, sucht mein Geist noch nach seiner alten Ordnung. Formt, sortiert und passt neu an. Nützlich, aber auch so nervig. Gegen wahre Feinde mit ebenbürtiger Macht, wäre ich jetzt unterlegen und das trotz meiner jahrtausendalten Kräfte. Einer der Gründe, warum wir die wahre Ruhe im Grab nur selten und wenn, sehr lange vollziehen. Das Nützliche daran ist aber, dass unsere Macht während des scheinbaren Todes arbeitet. Wir entwickeln uns weiter, bekommen mehr Macht. Es bleibt herauszufinden, was sich bei mir verändert hat.

Das Kreuz auf dieser kleinen Kapelle blickte mich höhnisch an. Ich war bei der Entstehung dieses Glauebns dabei. Genau deswegen hat er keine Macht über mich. Und dennoch dachte ich sehnsüchtig an die versprochene Botschaft. Eine Erlösung im Himmel. Wie köstlich mochte dies sein. Egal ob wahr oder nicht. Aber der Glaube an so etwas, versprach dem Menschen zu Lebzeiten einen Frieden, den ich niemals erreichen würde. Ja, manchmal neidete ich den Menschen ihre Naivität. Man beobachtet den Schmetterling bei seinem Flug und erkennt die reine, unschuldige Freiheit, die dem wissendem Lebewesen fehlt. Aber ich werde wehmütig.

Stoppen wir diese Gedanken. Dies mag an meinem letzten Mahl liegen. Eine traurige, verzweifelte Seele, die aufgegeben hatte. Sie wollte den Tod wählen und so brachte ich sie an den Rand von eben diesem. Ich trank ihr Blut, bis sie gerade noch überleben konnte. Damit sie im Todeskampf den Überlebensinstinkt aktivieren konnte. Und so geschah es auch. Ich lies sie am Eingang eines Krankenhauses zurück, in das sie mit letzter Kraft stolperte. Wiedergeboren, mit neuer Kraft erfüllt, da sie wieder einen Sinn in ihrem Überleben gefunden hatte.

Und im Anschluss ging ich durch die Schatten zu eben meiner Kapelle, die mich trotz ihrer Segnung eines Gottes, dankbar empfing. Keine gesegnete Erde, die mich verbrannte. Denn in ihrem Innern gab es etwas, weswegen ich hier war. Was sie trotz ihres Verfalls über alles Andere stellte. Der magische Eingang zum Abyss.

Und deswegen nur war ich auch hier.

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Das erste Kapitel der Story
Legends of Kain

„Ich bin nicht böse, nicht verdammt oder verkommen. Mein Weg ist nur ein Anderer. Abseits jeden Gesetzes, das Ihr erschaffen habt. Fern von jeder Einordnung oder mathematischen Gleichung. Ich bin frei von dem Allen. Von Gut und Böse. Göttern und Teufeln. Sinn und Schicksal. Regeln und Beschränkungen. Nichts mehr gibt es für mich. Und doch habe ich alles.“ „Ich war ein Kaiser, ein König, Priester, Gott, Teufel und Dämon. Was die Menschen wollten, das gab ich Ihnen. Und nun bin ich Dein Traum, Deine Geschichte. Folge mir in die tiefsten Schatten, die jedes Licht verdrängen und verschlucken.“ Die Legende Kain, Lilith, Odin, der Berserker und die Walküren. Vampire und Werwölfe. Eine Zeit, vor unserer Zeit? Andere Welten, Dimensionen und auch Flüsse der Zeit. Hexen, Magie und selbst Merlin, die hier nun wieder entstehen. Eine Geschichte, die Anfang, als auch Ende bedeutet.Das dunkle Zeitalter, die ewige Nacht.Was Dich erwartet, ist im Jetzt noch nicht einmal erahnbar. Wenn auch gleich es schon begonnen hat. (Format PDF; Umfang 460 Seiten; Sprache: Deutsch)

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